Die Gemeinde Reußmarkt (rum. Miercurea-Sibiului) im Unterwald liegt an der Europastraße, zwischen Hermannstadt (Sibiu) und Mühlbach (Sebes).
Auffällig ist sie durch ihren großen Platz in der Ortsmitte. Die Gebäude zeugen von ihrer einstigen Bedeutung.
Deutsche Siedler sind hier seit etwa 1200 ansässig.
Mit den ersten Wallanlagen im 13-ten Jahrhundert entstand gleichzeitig auch der Kirchenbau. Schon im frühen Mittelalter hat Reußmarkt als Sitz einer der sieben Stühle eine Rolle gespielt.
Allerdings war es durch seine Lage sehr exponiert und Opfer aller durchzieh ender Heere. Belegt sind Verwüstungen durch die Türkeneinfälle nach 1400.
Auch später im 17-ten Jahrhundert hatte der Ort viele Plünderungen zu erdulden. Noch bis in den Jahren der Revolution,
wurde Reußmarkt von Plünderer heimgesucht. So kam es immer wieder zu Rückschlägen und zu keiner städtischen Entwicklung.
Da aber die Zekeschebene, in der Reußmarkt liegt, fruchtbar ist, entwickelte sich eine ertragreiche Landwirtschaft und eine bemerkenswerte Viehzucht.
Kulturell verzeichnete Reußmarkt immer schon eine rege Tätigkeit. 1913 wurde ein Gemeinschaftshaus mit großem Veranstaltungssaal gebaut.
Ein aktives Vereinsleben spielte sich auch im sozialen und geistigen Bereich ab. Erinnerungswert sind Theateraufführungen, Auftritte des Chores und das anspruchsvolle Repertoire der Adjuvanten. Elf Nachbarschaften sorgten für enge Gemeinschaftsbindungen.
In Reußmarkt bestand bis zum zweiten Weltkrieg ein geschlossenes sächsisches Gemeinwesen, das trotz rumänischer Bevormundung im öffentlichen Bereich in sich gefestigt war.
Der Krieg hat die sächsische Gemeinschaft hart und schmerzlich getroffen: Allein im deutschen Heer sind 30 Reußmarkter gefallen, in der rumänischen Armee weitere 14. Nach Rußland wurden 122 Frauen und Männer deportiert, neun sind gestorben.
Nach der Enteignung, Deportation und den unausgesetzten Verfolgungen im kommunistischen Staat hat sich die sächsische Bevölkerung zunehmend abgesetzt, sei es durch Abwanderung in die Städte und Industriezentren, sei es durch Aussiedlung nach Deutschland. So sind folgende Zahlen für die deutsch-evangelischen Einwohner belegt: 1941 630, 1990- 314, 1997 105.
Die Gemeinschaft hat vor dem Abgang der überwiegenden Zahl ihrer Mitglieder noch einmal Kirche, Burg und Pfarrhof in gemeinsamer Anstrengung repariert. Sie zeugen als steinerne Male von der Rührigkeit der sächsischen Einwohner.